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Sie sind hier: NSU-Museum - Die NSU-Firmengeschichte
NSU Gründer Christian Schmidt
NSU Strickmaschinenfabrik
Hochrad
Sicherheitsrad
NSU Motorrad
Original Neckarsulmer Motorwagen 1907
NSU Werksgelände 1903
NSU Heeresfahrzeug
NSU Rennwagen
NSU Rennmotorrad
NSU Pony – Voksmotorrad
NSU Kettenkrad
NSU Max

Die NSU-Firmengeschichte

Der Gründer
Christian Schmidt (Jg. 1845), Musterexemplar jener Gattung schwäbischer Tüftler und Macher, die einer Redensart zufolge alles können außer Hochdeutsch, war Mechaniker von Profession. Er gründete 1873 zusammen mit Heinrich Stoll in Riedlingen an der Donau eine "Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen". Dies war der Ursprung der späteren NSU-Werke.



Neuer Standort in Neckarsulm
Auf der Suche nach einem neuen Standort für seine expandierende Fabrik kam Schmidt nach Neckarsulm. Die hier kombinierte Wasserkraft von Neckar und Sulm, die der Stadt ihren Namen gab, veranlasste Schmidt zur Verlegung seines Firmensitzes. Er nannte seine neue Werkstätte "Neckarsulmer Strickmaschinen-Fabrik AG". Zu den nachmals berühmten NSU-Zweirad-Werken wurde die Fabrik erst nach Schmidts frühem Tod 1884.


Beginn der Fahrradproduktion
Christian Schmidts Schwager und Nachfolger als Firmenchef Gottlob Banzhaf (1858-1930) entschied 1886, die Produktion auf Zweiräder umzustellen. Er vermutete großes Wirtschaftspotential in dieser Branche und glaubte, mit Rädern mehr Geld verdienen zu können als mit Strickmaschinen. Dies stellte sich auch als richtig heraus.


Die Marke NSU
Die ersten Erfolge erzielte Banzhaf mit Hochrädern, wie der 1886 gebauten "Germania". Zwei Jahre später, als sich das Ende des 1860 begonnnenen Hochradbooms abzeichnete, ging man zur Serienfertigung von Sicherheits-Niederrädern über. Damit konnten Umsätze und Gewinn weiter gesteigert werden.
1892 erhielt die Fima einen neuen Namen und verwendete erstmals das Kürzel NSU – drei Buchstaben, die dem Stadtnamen entnommen waren: NeckarSulm.


Mit dem Motorrad zum Erfolg
Ein weiteres Standbein verschaffte sich NSU nach der Jahrhundertwende mit dem Bau von Motorrädern. Urahn aller folgenden Modelle war das "Neckarsulmer Motorrad" von 1901. Es war mit einem Schweizer Zedel-Motor ausgestattet und brachte 1,5 PS Leistung.

 

Der Neckarsulmer Motorwagen
Durch den Erfolg im Zweiradbereich animiert, begann NSU schließlich auch mit dem Bau von Automobilen. Diese Entscheidung kam nicht von ungefähr, hatte man doch bereits 1888 Erfahrungen im Vierradbereich gesammelt. Für den damaligen Stahlradwagen von Gottlieb Daimler, eines der ersten Automobile weltweit, fertigte NSU die Fahrgestelle. 1906 legte man dann eine Eigenkonstruktion vor, den "Original Neckarsulmer Motorwagen".


Die Neckarsulmer Fahrzeugwerke AG

Das Unternehmen wächst rasant. 1906 verlassen bereits 2200 Motorräder die Fabrik. Schnell gilt NSU weltweit als fortschrittlich und technisch führend. Zwei Drittel der Jahresproduktion gehen in zahlreiche Länder Europas und auch nach Übersee. 1911 stellt NSU 50% des deutschen Gesamtexports an Motorrädern. 1914 produziert NSU mit 1200 Beschäftigte 27.000 Fahrräder, 3.600 Motorräder und 900 Automobile.


Heeresfahrzeuge im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg kamen Motorräder von NSU als Heeresfahrzeuge zum Einsatz. Sie wurden neben den Modellen von Wanderer zum hauptsächlich benutzten Meldefahrzeug der deutschen Truppen und bewährten sich an den verschiedensten Fronten. Generalstabschef der deutschen Armee war der Preuße Erich von Falkenhayn (1861-1922). Sein Sohn Fritz sollte später in noch engeren Kontakt mit NSU kommen. Er übernahm 1930 die Werksleitung und hatte sie bis 1945 inne.


Erfolge und Krisen in der Weimarer Republik

Die unruhigen Jahre der Weimarer Republik brachten für NSU ein Wechselbad der Gefühle. Auf große Erfolge im sportlichen Bereich folgte das wirtschaftliche Aus der Automobilproduktion 1929/30. Schuld daran war die einsetzende Weltwirtschaftskrise. Sie zwang die Neckarsulmer, ihre Automobilfertigungsstätten in Heilbronn an FIAT zu verkaufen.


Neuer Ruhm im Rennsport

Neuen Ruhm erntete NSU in den 30er-Jahren. Dank der zukunftsweisenden Motorrad-Konstruktionen des neuen Chefentwicklers Walter William Moore aus Großbritannien konnte die Neckarsulmer Firma in der beibehaltenen Zweiradsparte nahtlos an ihre Rennerfolge der 20er anknüpfen. Fahrer Tom Bullus, ein weiterer Brite, gewann auf den Maschinen Moores, der 1929 von Norton zu NSU gewechselt war, zahlreiche Meisterschaftsläufe.


Das Volksmotorrad
Unter Werksleiter Fritz von Falkenhayn beteiligte sich NSU nach dem Ende von Weimar am Beschäftigungs-Programm der neuen NS-Regierung. Durch Förderung des Fahrzeugbaus sollte die Volksmotorisierung gefördert und die Massenarbeitslosigkeit verringert werden. Diesem Ziel diente das 1934er Pony, das mit 460 Reichsmark Kaufpreis günstiger in der Anschaffung war als Fahrzeuge der Konkurrenz und zum echten Volksmotorrad wurde.


Das Kettenkrad im Zweiten Weltkrieg
Im 2. Weltkrieg wurde NSU wie viele andere große Unternehmen hauptsächlich Lieferant von Rüstungsgütern, u.a. Militärmotorräder. Am bekanntesten wurde das gemeinsam mit Opel produzierte Kettenkrad. Infolge der Verwicklung in Kriegsaktivitäten wurde NSU Angriffsziel für alliierte Bomber. 1945 lag das Werk in Trümmern.

 

Wiederaufbau und Neuentwicklungen
In der Nachkriegszeit gelang NSU ein rascher Wiederaufstieg durch den verstärkten Drang der Menschen nach Mobilität. Quick, Fox, Lux und Max schrieben Motorradgeschichte.
Die erste Neuentwicklung nach dem Krieg war 1949 die Fox von Chefkonstrukteur Albert Roder. Roders Max wurde in den 50er Jahren sogar zum meistgefahrenen Motorrad aller Klassen.


Die 50er-Jahre
Mitte der 50er-Jahre war NSU größter Zweiradhersteller der Welt und exportierte in 90 Länder. Ca. 7000 Mitarbeiter erzielten allein im Jahr 1955 eine Stückzahl von 350.000 hergestellten Fahrzeugen. Das zuverlässige Quickly, damals beliebtestes Moped weltweit, wurde 980.000 Mal gebaut. Mit der Lambretta, einem Lizenzbau der Firma Innocenti, partizipierte NSU schließlich auch am Roller-Boom dieser Jahre und legte mit der Prima sogar eine Eigenkonstruktion vor.


Erneut Erfolge in der Rennszene
Auch in der Rennszene machte sich NSU wieder einen Namen. Große Erfolge auf allen Rennstrecken der Welt wurden erzielt durch Heiner Fleischmann, Werner Haas, Erwin Schmider (Gelände), Hans Schuhmann, Hermann Böhm, Rupert Hollaus, H.P. Müller und Hans Baltisberger.

 

Automobile für das Wirtschaftswunder
Fast 30 Jahre nach dem Aus der Vierradproduktion wurden im Zuge des Wirtschaftswunders erstmals auch wieder Autos gebaut. Auf Betreiben der neuen Werksleitung lief 1957 der Prinz vom Band. Das Auto verkaufte sich bestens, die Kurse der NSU-Aktien stiegen sprunghaft. Wie auch andere Zweiradhersteller entschied sich NSU deshalb, die Zweiradsparte aufzugeben und sich ganz auf die Herstellung von Autos zu konzentrieren.


Spider mit Wankel-Motor

1964 lief der Spider vom Band, das erste Auto mit Wankel-Motor. Auch mit diesem Fahrzeug wurden motorsportliche Erfolge erzielt, so wurde der Spider mehrfacher Meister im Bergrennsport.

 

 

RO 80 – Die Designikone der 60er-Jahre
Großes Wagnis war die Entwicklung des RO 80 mit revolutionärem Design. 1967 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt, wurde die neue Limousine von der Fachwelt gefeiert. Die Presse lobte den seidenweichen Lauf des Doppelscheiben-Wankelmotors (2 x 498 ccm) mit seiner großen Leistung. Das Wankelprinzip geriet indes wegen Verdichtungsproblemen an den Kolbenspitzen (Abbrand) und hohen Kraftstoffverbrauchs in die Kritik.


Fusion mit AUDI
Auch wenn sich die technischen Schwierigkeiten als typische Kinderkrankheiten einer neuen Technik entpuppten und die Probleme schließlich gelöst wurden, geriet NSU in wirtschaftliche Turbulenzen, aus denen sich die Firma nicht mehr befreien konnte. Eine Werksschließung wurde 1969 nur durch Fusion mit der VW-Tochter Audi verhindert. Hier endet die eigenständige NSU-Story. NSU gehört heute zu den Wurzeln des Audi-Konzerns.